Heuschnupfen

Was ist Heuschnupfen?

 Der Heuschnupfen, auch als allergischer Schnupfen bezeichnet, ist eine Erkrankung des atopischen Formenkreises ( ungewöhnlich/sonderbar), zu dem auch die Neurodermitis, Asthma bronchiale und die Urtikaria (Nesselsucht) gehören. Es sind Erkrankungen, denen eine übersteigerte allergische Reaktion zu grunde liegt und beim Heuschnupfen auf Blütenstaub von Gräsern, Sträuchern und Bäumen zurück zu führen ist.

Die Erkrankung beginnt oft im frühen Kindesalter und führt über Jahre oder Jahrzehnte zu schweren gesundheitlichen und sozialen Beinträchtigungen. Diese äußern sich durch Akutsymptome wie Niesen, Juckreiz, starker Schnupfen oder Verstopfung der Nase sowie durch tränende und juckende Augen (Bindehautentzündung) auch als Schlafstörung mit nachfolgender Tagesmüdigkeit und durch Störungen der Lern- und Konzentrationsfähigkeit.

In unseren Breiten tritt der Heuschnupfen saisonal vom Frühjahr bis Herbst auf. Ein entsprechender Pollenflugkalender und Informationen der Medien geben Auskunft darüber, welche Pollen in welchem Zeitraum zu erwarten sind. Im Wesentlichen beginnt im Frühjahr der Pollenflug von Hasel, Erle, Ulme, Weide, Pappel, Esche, Birke, Hainbuche, Plantane, Eiche und Rotbuche und setzt sich von Mai bis September mit verschiedenen Gräsern, Spitzwegerich, Sauerampfer, Roggen, Nessel  und Beifuß fort.

In Deutschland sind derzeit rund 12 Millionen Menschen von der Erkrankung betroffen, darunter viele Kinder.

Was ist die Ursache des Heuschnupfens?

Seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist die Zahl der Allergien sprunghaft angestiegen. Übertriebene Reinigungsmaßnahmen in den Haushalten und der damit verbundene Einsatz von Desinfektionslösungen , die Steigerung der Aggressivität von Allergenen und veränderte Lebensgewohnheiten haben dazu geführt, dass das Immunssystem, gerade bei Kindern, nicht mehr mit Mikroorganismen (Krankheitserregern) im normalen Umfang in Kontakt kam. Folge war, das das Immunsystem sich neue “Feinde” suchen mußte und so harmlose Allergene (Pollen) von ihm als gefährlich eingestuft wurden. Ein Beweis für diese Hygiene-These ist die Tatsache, dass Kinder, die auf dem Lande aufgewachsen sind, seltener unter Allergien leiden, als Kinder aus städtischen Gebieten und außerdem

Allergien in Ländern der dritten Welt fast völlig unbekannt sind.

Wie entsteht Heuschnupfen?

Durch die eingeatmeten Pollen kommt es beim Erstkontakt mit dem Allergen zu einer Sensibilisierung des Körpers und damit zur Aktivierung von T-Zellen (Lymphozyten). In dieser Phase treten noch keine Symptome auf. Die T-Zellen regen wiederum die B-Zellen (Lymphozyten) an, sich zu vermehren und damit auf die Abwehr vorzubereiten. Die dabei produzierten IgE-Antikörper (Immunglobuline) sind auf die spezielle Abwehr des Allergens gerichtet.

Bei einem Zweitkontakt werden Mastzellen stimuliert Histamin (Mediatoren/Entzündungsstoffe) und Leukotriene abzugeben. Das führt zu entzündlichen Reaktionen, die sich an den Augen durch eine Rötung (Konjunktivitis) und ein Jucken, an der Nase durch Niesreiz und Schnupfen sowie an den Bronchien durch Husten äußert. Auch asthmatische Beschwerden sind möglich.

Wie kann Heuschnupfen diagnostiziert werden?

Im Vordergrund der Diagnostik steht die Erhebnung der Anamnese (Vorgeschichte), bei der an Hand auftretender Symptome Rückschlüsse auf mögliche Allergene gezogen werden können. Hilfreich für den Arzt ist es, wenn der Betroffene ein Heuschnupfentagebuch geführt hat. An Hand der Eintragungen können daraus Rückschlüsse auf das mögliche Allergen gezogen werden.

Mit Hilfe des Prick-Testes (Intrakutantest) können Allergene identifiziert werden.  Dabei werden allergenhaltige Lösungen auf die Haut des Unterarmes aufgetragen und anschließend in die Haut eingeritzt. Liegt eine Überempfindlichkeit (Sensibilität) vor, reagiert die Haut mit einer Rötung und Quaddelbildung innerhalb von 20 bis 30 Minuten.

Bei Kindern wird diesem Test die Bestimmung des IgE-Titers im Blut vorgezogen. Dabei wird zwischen dem Radio-Immuno-Sorbens-Test (RIST) und dem Radio-Allergo-Sorbens-Test (RAST) unterschieden. Beide Tests geben Aufschluss über das Vorhandensein einer allergischen Reaktion, wobei nur mit dem RAST Rückschlüsse auf ein bestimmtes Allergen gezogen werden kann.

 

Welche therapeutischen Möglichkeiten gibt es?

Das Ziel der Therapie besteht darin, die allergische Schleimhautreaktion zu unterbinden. Das ist möglich durch:

1. Meidung des Allergens

Allergikern ist anzuraten, zu Zeiten des entsprechnden Pollenfluges, den Aufenthalt im Freien einzuschränken oder zu verlagern (nach Regengüssen).Auch das Tragen einer Atemschutzmaske kann helfen, die Belastung zu reduzieren. Nach dem Aufenthalt im Freien sollten die Haare gewaschen und die Kleidung gewechselt werden.

2. Pharmakotherapie

Ziel dieser Therapie ist die Behandlung der auftretenden Symptome. Das kann entweder durch lokal wirksame Arzneimittel wie Cromone erfolgen, die die Aufgabe haben, die Mastzellen zu stabilisieren. Da ihr Wirkeintritt verzögert ist, muss ihre Applikation bereits eine Woche vor dem ersten Pollenflug erfolgen.

Auch Antihistaminika können zum Einsatz gebracht werden. Sie blockieren die Histamin-H1-Rezeptoren und bewirken damit, dass Schleimhautreaktionen wie Juckreiz und Sektretabgabe ausbleiben. Sie können lokal als Nasenspray (Levocabastin) oder systemisch in Tablettenform (Fexfenadin, Loratadin) verabreicht werden.

Topische Glukokortikoide (Cortison/Mometason, Budesonid) stellen die effektivste Therapie dar, da sie die nasalen Symptome (allergische Rhinitis/Verstopfung der Nase) unterdrücken. Da bei topisch (von außen) angewandten Glukokortikoiden keine Beeinflussung der Funktion der Nebennierenrinde zu erwarten ist, gilt hr Einsatz als unbedenklich.

Anders ist es bei systemisch zum Einsatz gebrachten Glukokortikoiden. Sie sollten, gerade bei Kindern, wegen der Gefahr von Nebenwirkungen (Nebennierenrindeninsuffizienz/Diabetes mellitus), nur eine begrenzte Zeit zum Einsatz gebracht werden.

Zum Abschwellen der Nasenschleimhaut eignen sich auch nasale Sympathomimetika. Ihre Anwendung sollte jedoch nur kurzfristig erfolgen, da durch sie eine Rhinitis (medikamentosa) erzeugt werden kann.

Alternativ kommen auch Präparate zur Anwendung, die aus Heilpflanzen gewonnen werden. Dazu gehören u.a. Pinienrindenextrakte, die bei einer neuzeitlichen kanadischen Studie eine positive systemische Wirkung bei der Birkenpollenallergie zeigten.

3. Spezifische Immuntherapie (SIT/Hyposensibilisierung)

Bei dieser Therapie werden entweder geringe Mengen des bekannten Allergens entweder subkutan (unter die Haut/Rückseite des Oberarmes/) injiziert oder sublingual (unter die Zunge) getropft. Das Immunsystem “verlernt” somit die allergische Reaktion und die Entzündung bleibt aus. Mit dieser Therapie sollte so früh wie möglich begonnen werden. Sie dauert in der Regel drei Jahre und kann bereits bei Kindern ab dem fünften Lebensjahr zur Anwendung kommen.

Ein relativ neuer Behandlungsweg ist die Anwendung  der “Gräsertablette” (Allergie-Immun-Tablette/AIT), die sublingual zur Behandlung der Gräserpollenallergie zum Einsatz kommt. Sie muss täglich über einen Zeitraum von drei Jahren eingenommen werden. Ihre Wirkung konnte in der Zwischenzeit medizinisch nachgewiesen werden.

Weitere Informationen erhalten sie über den DAAD (Deutscher Allergiker- und Asthmabund), zu erreichen unter www.daab.de oder auf unserer Hompage.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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