Was ist eine Demenz bzw. ein dementielles Syndrom?
Bei einer Demenz (=ohne Geist) bzw. einem dementiellen Syndrom liegt eine Erkrankung vor, bei der es, bedingt durch eine Hirnschädigung, zu einer Minderung intellektueller Fähigkeiten und zu Einschränkungen emotionaler, sozialer und kognitiver Fähigkeiten gekommen ist. Dabei stehen Symptome im Vordergrund, die sich in Denk- und Gedächtnisstörungen, Störungen der Wahrnehmung, der Orientierung, der Sprache und Veränderungen der Persönlichkeit äußern.
Wie sieht die Epidemiologie in der Bundesrepublik Deutschland aus?
Bedingt durch die immer älter werdende Gesellschaft ist ein stetiger Anstieg ab dem 65. Lebensjahr zu verzeichnen, wobei Hochbetagte besonders strakt betroffen sind und hier der Frauenanteil überwiegt. In allen westlichen Ländern ist die Demenz vom Alzheimer Typ (DAT) die häufigste Form, gefolgt von der vaskulären (gefäßbedingten) Demenz.
In Deutschland wird ein hoher Anteil an Demenz erkrankter alter Menschen im häuslichen Umfeld von Angehörigen gepflegt. Durch die hohe psychische und physische Belastung der Pflegenden, die u.a. durch Aggressivität, Vergeßlichkeit, Wesensänderungen, Inkontinenz und Sprachstörungen gekennzeichnet ist, besteht die Gefahr, dass diese selber psychisch erkranken. Die derzeitige Demographie lässt erkennen, dass in Zukunft mehr alte Menschen eine institutionelle Hilfe benötigen werden.
Nach welchen Kriterien wird die Demenz klassifiziert?
Die Klassifizierung erfolgt entweder nach dem Schweregrad in eine
1. leichte (Fähigkeit zur unabhängigen Lebensführung noch vorhanden),
2. mittelschwere (Aufsicht zur Sicherung der Lebensführung erforderlich) und
3. schwere Form (Lebensführung allein nicht mehr möglich/kontinuierliche Aufsicht Pflege erforderlich).
Eine weitere Klassifikation erfolgt nach der Erkrankungsursache in eine:
1. primär degenerative Demenz (Zustand nicht mehr rückführbar)
2. vaskuläre Demenz ( von den Gefäßen ausgehend) und
3. sekundäre Demenz (teilweise behandelbar).
Die bekannteste primär degenerative Demenz ist die Demenz vom Alzheimer-Typ (AK), die 1907 von Alois Alzheimer erstmals beschrieben wurde. Bei der AK ist makroskopisch eine fortschreitende Hirnatrophie (Verkleinerung) sowie ausgeprägte mikroskopische Veränderungen (Ausbildung von senilen Plaques/Herde) zu erkennen. Neurobiologisch spielen zwei Proteine (Eiweiße), das ß-Amyloid (ß A4- biologische Funktion nicht eindeutig geklärt) und das sog. Tau-Protein (phosphorhaltiges Molekül) bei der Entstehung der senilen Plaques eine Rolle.Wahrscheinlich spielen sie beim Untergang von Hirnzellen eine Rolle.
Welche Risikofaktoren sind für die Alzheimer-Demenz bekannt?
Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben sich bisher mit dieser Frage beschäftigt.
Zu den wesentlichsten Risikofaktoren gehören die genetische Disposition, hohes Lebensalter, Demenz bei Verwandten 1. Grades, die Schulausbildung (<7 Jahre), Alter der Mutter bei der Entbindung (>40 Jahre) und andere Erkrankungen wie Morbus Parkinson und die Hypothyreose/Unterfunktion der Schilddrüse.
Mit welcher Symptomatik äußert sich die Alzheimer-Demenz?
Auffallend ist bereits zu Beginn der Erkrankung, das es zu Einschränkungen des Kurzzeitgedächtnisses, später auch des Langzeitgedächtnisses kommt. Sprachstörungen in Form von Aphasie, Apraxie (Störung von Handldungs- und Bewegungsabläufen) und Veränderungen der Sprachmelodie folgen. Es stellen sich alltagsrelevante Behinderungen ein, wie der Umgang mit Geld, das Bedienen des Telefons, die Zubereitung der Nahrung und die Einnahme von Medikamenten.
Depressive Verstimmung gepaart mit suizidalen Gedanken, Angst, Aggression, Unruhe, Antriebs- und Interessenlosigkeit sowie Halluzinationen treten auf. Es kommt zu Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus, der sich vor allem in den Abend- und Nachtstunden durch Unruhe bemerkbar macht.
Welche diagnostischen Verfahren werden zur Diagnosstellung eingesetzt?
Bei der Diagnostik spielt die Dauer der aufgetretenen Symptome eine entscheidende Rolle. Sie müssen mindestens ein halbes Jahr aufgetreten sein, bevor die Diagnose einer Demenz bzw. eines dementiellen Syndroms gestellt werden kann.
Die Erhebung der Eigen- und Familienanamnese sowie zahlreiche Testverfahren, wie der Mini- Mental-Status-Test (MMST), Gentests (Nachweis von Krankheitsgenen auf dem Chromosom 21, 14 und 1) kommen, neben anderen diagnostischen Verfahren (Computertomografie, MRT, Kernspintomografie, Labor- und Liquordiagnostik/Bestimmung biologischer Maker) zur Anwendung.
Wie wird eine Demenz therapiert?
Grundlage für die Auswahl geeigneter Therapieverfahren ist der Schweregrad der Erkrankung. Neben Verfahren zur Steigerung der Hirnleistung (Beschäftigungstherapie)und körperlichem Training kommen auch sinnesorientierte Verfahren (Massage, Bäder, Aromatherpie) zur Anwendung.
Die medikamentöse Therapie orientiert sich auf die Behandlung spezifischer Symptome. Eine Heilung ist derzeit noch nicht möglich. Antidementia werden zur Zeit ausschließlich zur Behandlung der Alzheimerdemenz eingesetzt.
Wie ist die Prognose der Demenz?
Die Prognose der Demenz ist abhängig vom Zeitpunkt der Diagnosstellung und dem Alter des Patienten. Es zeigt sich, dass bereits 20-30 Jahre vor der Diagnosestellung sich eine präsymptomatische Krankheitsphase entwickeln kann. Nach dieser Zeit beträgt die Dauer der Erkrankung durchschnittlich 8 bis 10 Jahre, wenn das 65. Lebensjahr noch nicht vollendet wurde. Wird die Diagnose zwischen dem 65. und 80. Lebensjahr gestellt, sind es 6-8 Jahre und jenseits des 80. Lebensjahres 4-6 Jahre.
